Geschichte der K.St.V. Ludovicia

religio, amicitia, patria

Gerecht und beharrlich

» 20. Nov. 1828 : Fürst Ludwig von Öttingen-Wallerstein eröffnet als Königlicher Regierungspräsident bei St. Stephan die Königlichen Studienanstalten (Lyceum, Gymnasium und Lateinische Vorbereitungsklassen)

» 1888 Gründung der farbentragenden Verbindung "Vindelicia". Auflösung nach nur vier Semestern.

» 1898 Zehn Kandidaten des Lyceums äußern während der Weihnachtsfeier den Wunsch, eine „Akademische Vereinigung“ zu gründen.

» 25. Januar 1899 : Die Studenten Georg Jaser, Michael Mesmer, Friedrich Regenbogen, Johann Schmaus, Otto Stolber und Josef Wunderle gründen die „Akademische Vereinigung Ludovicia“, deren Name an den Gründer der Hochschule, König Ludwig I., erinnern soll. Der Begriff „Vereinigung“ wird bewusst gewählt, um sich von den Verbindungen und Vereinen an anderen Hochschulen zu unterscheiden. So haben die Mitglieder die Möglichkeit, sich bei einem Universitätswechsel einer anderen Verbindung (farbentragend) oder einem Verein (nichtfarbentragend) anzuschließen. Als Farben für die Vereinigung wählt man blau-weiß-grün (blauweiß als Farben des Königreichs Bayern, grün als Bestandteil der Augsburger Stadtfarben). Es wird jedoch beschlossen, die Farben nur in Form von Bierzipfeln zu tragen, da man fürchtet, als farbentragende Studentenverbindung in Augsburg auf Ablehnung zu stoßen. Als Prinzipien der Verbindung wählt man „religio“, „amicitia“ und „patria“ (Religion, Freundschaft und Vaterland). Der Wahlspruch ist „Gerecht und beharrlich“. Gem. Art. 3 der Statuten ist es Aufgabe der Vereinigung, katholische Weltanschauung und Lebensführung, echten studentischen Frohsinn und die Liebe zum Vaterland zu pflegen und zu fördern. Das Bundeslied verfasst Pius Strobel, die Vertonung erfolgt durch Karl Ott.

» 22. Februar 1899 : Der Rektor des Lyceums, P. Narzissus Liebert, bestätigt die Neugründung.

» 3. August 1900 : Umwandlung der „Akademischen Vereinigung Ludovicia“ in die „Katholische Studentenvereinigung Ludovicia“. Formelle Statutengebung.

» 1900 Die Weihnachtsfeier erbringt einen erheblichen finanziellen Überschuss, aus dem die erste Salonwichs angeschafft wird.

» 15. März 1903 Die Ludovicia erhält zum Stiftungsfest die erste Fahne. Die Weihe erfolgt in der Muttergotteskapelle des Domes durch Gründungsmitglied Josef Wunderle.

» 1909 Anlässlich des zehnten Stiftungsfestes bewilligt der CC die Anschaffung einer Vollwichs, die zum ersten Mal bei der Fronleichnamsprozession getragen wird.

» 15. Februar 1911 Das „Organ der Katholischen Studentenverbindung Ludovicia Augsburg“ wird herausgegeben. Insgesamt erscheinen bis zur Einstellung im Jahr 1935 51 Ausgaben.

» April 1912 Gründung eines Philistervereins.

» 1914-1918 67 Ludoviker nehmen am Krieg teil, 18 von ihnen fallen.

» September 1919 Im Rahmen des 20. Stiftungsfestes wird die zweite Fahne geweiht. In diesem Jahr entsteht auch die Farbenstrophe (Verfasser: Fritz Spengler).

» 4. August 1922 Ludovicia wird als a.o. Mitglied in den nichtfarbentragenden „Kartellverband katholischer deutscher Studentenvereine (KV)“ aufgenommen.

» 1926 Gegen die Aufnahme als ordentlicher KV-Verein bestehen Bedenken, ob Ludovicia in Augsburg „überlebensfähig“ ist. Münchner Kartellbrüder fordern die Verlegung der Verbindung nach München als zehnte Münchner KV-Verbindung.

» 12. April 1926 Der CC stimmt für den Anschluss an den KV unter Verbleib der Verbindung in Augsburg.

» 27. Juli 1926 52. Vertreterversammlung des KV in Fulda: Ludovicia wird mit 75 gegen 5 Stimmen als ordentlicher Verein in den KV aufgenommen. Antragsteller sind Rechtsanwalt Dr. Ernst Schröder als Altherrenvertreter und Edmund Prestel als Aktivenvertreter.

» 1937 Ludovicia fällt dem Dritten Reich zum Opfer. Die offizielle Selbstauflösung erfolgt am 28. Januar. Persönliche Kontakte bestehen weiterhin. Die Auflösung der philosophischen Hochschule bei St. Stephan folgt am 23. September.

» Februar 1949 Erster Nachkriegskonvent im „Weißen Gockel“ (heute „coq“). Es wird einstimmig beschlossen, Ludovicia wiederzugründen. Philistersenior wird Dr. Edmund Prestel, Schriftführer Hans Ehegartner, Kassier Josef Schwelle und kommissarischer Aktivensenior und späterer Fuchsmajor Fabian Kastl.

» 1949/50 Erstes Nachkriegssemester, das durch eine neue Aktivitas unter dem Senior Thomas Schmidtner gestaltet wird.

» 25. Sept. 1950 Bb Dr. Prestel tritt als Philistersenior zurück. Sein Nachfolger wird Bb Fabian Kastl.

» 3. Sept. 1951 Oberbürgermeister Dr. Klaus Müller und Oberstudiendirektor

P. Dr. Gregor Lang werden zu Ehrenmitgliedern, Landgerichtsrat Dr. Eugen Haußner und Rechtsanwalt Dr. Dr. Philipp Roßteuscher zu Ehrenphilistern ernannt.

» 9.Juli 1955 Korporationsabend anlässlich der Tausendjahrfeier der Schlacht auf dem Lechfeld. Vor etwa 100 Chargierten aller Korporationsverbände hält der französische Staatsminister Robert Schumann die Festrede.

» 30. Sept. 1958 Das Lehrerbildungsinstitut in Augsburg wird zur pädagogischen Hochschule der Universität München erhoben.

» 6. Juli 1959 Anlässlich des 60. Stiftungsfestes erhält Ludovicia ein eigenes Heim. Verlagsdirektor Josef Hall stellt der Verbindung im Untergeschoß des „Winfried-Werkes“ (Frauentorstr. 5) mehrere Räume zu günstigen Mietbedingungen als Verbindungsheim zur Verfügung.

» 18. Januar 1962 Tod von Ehrenmitglied P. Dr. Gregor Lang.

» 30. Juni 1963 Bb Fabian Kastl, Landrat, kann wegen seiner beruflichen Belastung das Amt des Philisterseniors nicht mehr weiterführen. Neuer Philistersenior wird Bb Dr. Thomas Schmidtner, Staatsanwalt.

» 12. April 1964 Schwäbisches KV-Treffen im Exerzitienhaus St. Paulus in Leitershofen, Zelebrant ist Diözesanbischof Dr. Josef Stimpfle, die Festrede hält der bayrische Ministerpräsident Kb Dr. Alfons Goppel.

» 12. Juni 1971 Die Vertreterversammlung in Münster beschließt nach hitzigen Debatten eine neue Satzung, nach der germ. § 18 HKVS „bei einem im Sinne des Grundsatzes "Religion" aktiven Vereinsleben (...) ein Kartellverein in einem begründeten Ausnahmefall auch einen nichtkatholischen Christen aufnehmen“ kann.

» 28. Juni 1975 Neufassung der Satzung Ludoviciae: In Ausnahmefällen können auch nichtkatholische Christen aufgenommen werden. Diese dürfen jedoch nicht das Amt des Seniors oder des Fuchsmajors bekleiden.

» 23. April 1978 Tod von Ehrenmitglied Prof. Dr. Adalbert Vogel.

» Januar 1982 Bb Dr. Thomas Schmidtner tritt nach mehr als achtzehnjähriger Amtszeit als Philistersenior zurück. Sein Nachfolger wird Bb Wolfram Müller, Rechtsanwalt.

» 28. Juni 1983 Kündigung des Mietvertrages in der Frauentorstrasse durch die Winfried-Werk GmbH aus betrieblichen Gründen. Es schließt sich eine intensive Suche nach einem geeigneten Miet- bzw. Kaufobjekt an. Bb Peter Henkel, Richter am Amtsgericht, Augsburg, ab. Durch die Vermittlung von Bb Karl Günzel eröffnet sich die Möglichkeit, das aus dem 18. Jahrhundert stammende denkmalgeschützte Wohn- und Werkstattgebäude des Feilenhauers Josef Gnann am Mittleren Lech 13 von dessen Erben zu erwerben.

» 27. Juli 1984 Da die Idee eines Ludoviker-Eigenheimes eine überwältigende Resonanz findet, beschließen auf dem CC des 27.7.1984 44 Bundesbrüder einstimmig, einen Hausbauverein zu gründen, dessen Ziel der Erwerb des Anwesens Mittlerer Lech 13 und der Umbau zu einem Studentenwohnheim ist. Alfred Schwendtner übernimmt bereitwillig die Architektenleistungen. Eine Satzung für den Hausbauverein „Studentenheim Ludovicia“ wird beschlossen.

» August 1984 Das „Studentenheim Ludovicia e.V.“ wird in das Vereinsregister des Amtsgerichts Augsburg eingetragen. Beurkundung des Kaufvertrages über das Anwesen Mittlerer Lech 13. Kaufpreis: 160.000 DM. Der damalige Vorstand der Kreissparkasse Augsburg, Bb Peter Kahn, stellt einen besonders günstigen Kredit für den Bau des Ludovikerheimes zur Verfügung.

» September 1985 Nachdem die vermieteten Wohnungen geräumt sind, kann mit der Sanierung und dem Umbau begonnen werden. Dank des unermüdlichen Einsatzes vieler Bundesbrüder und ihrer beachtlichen Eigenleistungen wird der Umbau schnell vorangetrieben.

» 24. Jan. 1986 Bb Peter Henkel kandidiert wegen seiner kommunalpolitischen Tätigkeit nicht mehr für das Amt des Philisterseniors. Bb Reinhold Wenninger, Kommunalreferent der Stadt Augsburg, übernimmt das Amt mit unermüdlicher Tatkraft. Die Aktivitas erstarkt deutlich.

» 20. Feb. 1986 Tod von Ehrenphilister Hermann Clemente(Erw), Oberstudiendirektor a.D. am Holbeingymnasium, der unserer Ludovicia 30 Jahre lang als Vorsitzender des Ortszirkel Zirbelnuß in hohem Maß verbunden war.

» Juli 1986 Auf dem Festkommers des 87. Stiftungsfestes übergibt Philistersenior Reinhold Wenninger Bb Thomas Schmidtner die Ernennungsurkunde zum Ehrenphilistersenior, Alfred Schwendtner wird zum Ehrenmitglied ernannt.

» Juli 1986 Nach zehn Monaten Umbauzeit ist das Anwesen von Grund auf saniert und den heutigen Wohnverhältnissen angepaßt. Im Rahmen des 87. Stiftungsfestes wird das neue Haus von Bb Dr. Florian Schuller eingeweiht. Anschließend erfolgt die Schlüsselübergabe durch EM Alfred Schwendtner.

» 7. Juli 1989 Auf dem Festkommers des 90. Stiftungsfestes im vollbesetzten Mozartsaal der Kongreßhalle hält Otto von Habsburg, MdEP, die Festrede. Der Senior Wolfgang Riedl übergibt Reinhold Wenninger die Ernennungsurkunde zum Ehrenbursch der Ludovicia.

» 14. Juli 1990 Auf dem Festkommers des 91. Stiftungsfestes wird Kb Prof. Dr. jur. Jörg Tenckhoff (Bsg, Rp) für seine vielseitigen Verdienste zum Ehrenphilister ernannt.

» 29. Juni 1991 Auf dem Festkommers des 92. Stiftungsfestes erhält Oberbürgermeister Dr. Peter Menacher, der der Verbindung schon seit Jahren wohlwollend verbunden ist, die Urkunde über seine Ernennung zum Ehrenmitglied.

» 18. Juni 1992 Das neugestaltete „Ludovicia-Höfchen“ mit Nebengebäude (Freisitz, Keller und Fahrradraum) wird seiner Bestimmung übergeben. Besonderer Dank gilt u.a. dem Projektleiter der Stadtsanierung, Kb Reinhard Sajons (Rh-P), für seine tatkräftige Unterstützung der Baumaßnahme.

» 20.-23. Mai 1993 Vertreterversammlung des KV in Augsburg, die die Ludovicia ausrichtet, mit reger Teilnahme der Ludoviker am Festkommers in der vollbesetzten Kongreßhalle (Präside: Bb VOP Martin Buchner; Festredner: Staatssekretär Kb Hermann Leeb). Beim Festgottesdienst im Hohen Dom hält Bischof Dr. Viktor Josef Dammertz eine eindrucksvolle Festpredigt zu den Grundsätzen des KV. Es schließt sich ein Empfang im Goldenen Saal des Rathauses durch OB Dr. Peter Mennacher an.

» 18. Dez. 1993 Tod von Bb Fabian Kastl, Landrat a.D., der sich bei der Wiederbegründung nach dem Krieg und anschließend als Philistersenior große Verdienste erworben hatte.

» 1. - 3. Juli 1994 Im Rahmen des Kommerses zum 95. Stiftungsfest Ludoviciae im Kolpingsaal wird dem derzeitigen Rektor des Gymnasiums bei St. Stephan, Oberstudiendirektor Pater Dr. Egino Weidenhiller, die Ehrenmitgliedschaft übertragen.

» Juli 1995 40-jähriges Pristerjubiläum des KV-Verbandsseelsorgers und Ehrenphilisters Bb Prälat Siegfried Schindele in der Basilika St. Lorenz in Kempten.

» Januar 1996 Bb Dr. Karl Demharter wird zum neuen Vorsitzenden des Hausbauvereins gewählt.

» 24. März 1996 Tod von Ehrenphilistersenior, Philisterconsenior und erstem Vorsitzenden des Hausbauvereins in der Geschichte Ludoviciae, Bb Dr. Thomas Schmidtner, Landgerichtspräsident a.D..

Unser Verbindungshaus

Haus Ludovicia

Das Stadt-Münz-Gebäude

Nach dem Verlust temporärer Bleiben, wurde ein Ausschuss von 8 Bundesbrüdern ins Leben gerufen, der nach entsprechenden Objekten suchen und ihre Eignung für die geplanten Zwecke prüfen sollte. Dabei boten sich grundsätzlich drei Alternativen, deren Für und Wider, vor allem hinsichtlich der Finanzierung, lebhaft diskutiert wurden: Ein neues Mietobjekt; der Erwerb einer Etage, eines Kellers oder dergl. in Form des Teileigentums, oder Kauf und Renovierung eines alten Hauses.

Verhandlungen mit Bauunternehmungen, Eigentümern und dem Liegenschaftsamt der Stadt Augsburg brachten zunächst keine zufriedenstellenden Ergebnisse, doch beschloss immerhin der CC am 27.1.1984 schon die Einrichtung eines Sonderkontos für Spenden oder Darlehen im Hinblick auf einen zukünftigen Bedarf. Und der ergab sich unerwartet bald.

Bb Rechtsanwalt Karl Günzel hatte ein geeignet erscheinendes Objekt an der Hand. Es handelte sich uni die frühere Feilenhauerei Gnann, gegenüber deren Erben 13b Günzel eine Art Vorkaufsrecht hatte, auf das er zugunsten seiner Verbindung zu verzichten bereit war.

Das alte denkmalgeschützte Werkstatt- und Wohngebäude am Mittleren Lech Nr. 13 war nach „Architektursprache“ und Ausstattung in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts zu datieren, Bb Dieter Götz hat die wechselvolle Geschichte des Hauses gründlich erforscht und in der 1986 zur Einweihung erschienenen Festschrift veröffentlicht (S.10 - 12). Die Ergebnisse seiner verdienstvollen Arbeit seien im Kern hier wiedergegeben.

Im Jahre 1641 kaufte der Rat der Stadt Augsburg das am Mittleren Lech Lit. C Nr.360/361 gelegene geräumige Anwesen, dessen Hof und Nebengebäude sich bis an den hinteren LechkanaI erstreckten. Da die bisherige Münzstätte im Fischgruben für die rege Prägetätigkeit zu klein geworden war, verlegte man sie in dieses neu erstandene Gebäude, wo das Münzwesen gleichfalls mit Wasserkraft betrieben werden konnte und in dem auch die städtischen Münzmeister wohnten, Die Augsburger Stadtmünze galt wegen der hohen Qualität ihrer Prägungen als die beste im ganzen damaligen Reich. Die Münzen wurden nicht mit dem Hammer geschlagen, sondern mit einer 1571 vom Stadtmünzmeister Hans Vogler erfundenen Maschine hergestellt. Selbst Kaiser Leopold ließ hier im Jahre 1695 eine große Anzahl Münzen auf kaiserliche Kosten prägen. Mit der Eingliederung der Stadt Augsburg in das Königreich Bayern im Jahre 1806 endete auch die städtische Münztätigkeit im Hause am Mittleren Lech.

Am 16. September 1816 kaufte der Glockengießer Agabit Tubinger von der königlichen Finanzdirektion um 5171 Gulden das ehemalige Stadtmünzgebäude Lit. C 360 nebst den dazugehörigen Gebäuden Lit. C 361 (einstiges Münzmeisterhaus) /366/367 samt Hof und kleinem Garten.' 845 geht der Besitz an den Zwirnfabrikanten Johann Hauser über und ab 1864 sind der Strohwarenfabrikant Joseph Kellner und seine Ehefrau als Eigentümer genannt. Von ihnen erwirbt der Hutmacher Georg Tratzmüller im Jahre 1870 den Besitz für 6500 Gulden, der nach seinem Tode 1897 in die Hände seiner Ehefrau Agnes überwechselte. Nach Urkunde des Notariats Augsburg 1 vom 3. Inh 1922 treten Johann und Luise Heimerl, Spezialwarenhändler aus Augsburg-Pfersee als Käufer auf und bezahlen den Preis von 120 000 Mark. Noch im selben Jahr wird es für 155 000 Mark (beginnende Inflation!) an den Kaufmann Eduard Gantert weiterverkauft.

Mit Kaufvertrag vom 7. Juli 1926 geht schließlich das Anwesen C 360, bestehend aus Wohnhaus, Hofraum, halber Einfahrt zwischen diesem Haus und Haus Nr. 361 und dann gemeinschaftlicher Reihe mit Hs. Nr. 359 mit allen Rechten und Bestandteilen, zwei Öfen, dem Linoleumbelag im Büro, ca. 160 Ztr. Ruhrkoks, einem Tisch und 3 Stühlen an die Eheleute Alois und Ursula Gnann zu gleichen Teilen über. Feilenhaumeister Gnann und seine Frau zahlen hierfür einen Kaufpreis von 4 000 Goldmark. Alois Gnann hatte nicht nur als Handwerker, sondern auch als Radrennfahrer einen guten Namen in Augsburg.

Für dieses geschichtsträchtige Gebäude konnten und sollten sich die Ludoviker nun entscheiden. Und sie taten es in einer überwältigenden Weise. Der kurz zuvor neu gewählte Philistersenior Peter Henkel und Bb Dr. Thomas Schmidtner als Mitglied der „Heimfindungskommission“ luden am 19. Juli 1984 zum entscheidenden Konvent, der 8 Tage später stattfinden sollte. In diesem Schreiben wurde das Objekt kurz vorgestellt und die Möglichkeiten der Finanzierung angesprochen (Gründung eines gemeinnützigen Hausbauvereins, Darlehen von BbBb zum üblichen Sparzins, Eigenleistungen, Zuschüsse von dritter Seite). Abschließend hieß es: „Hiernach hat die Verbindung auf dem Konvent vom 27. Juli die wohl weitreichendste Entscheidung ihrer Geschichte zu treffen. Es geht um die Frage, ob die Ludoviker bereit sind, der Verbindung eine auf Dauer gesicherte Heimstatt, einen bleibenden Kristallisationspunkt zu schaffen und den- eine erhebliche finanzielle Belastung auf sich zu nehmen, die noch die folgende Generation mit in die Pflicht nimmt.“

44 Bundesbrüder folgten der Einladung, 20 die nicht teilnehmen konnten, äußerten sich zuvor zustimmend. Einige von ihnen erklärten ihre Absicht, das Vorhaben in besonderer Weise zu fördern: 13b Horst Thumerer, Notar in Schwabmünchen, sagte spontan zu, sämtliche Beurkundungen kostenlos vorzunehmen. Fei Dipl.-Ing. (FH) Alfred Schwendtner, Architekt in Augsburg, erklärte gleichfalls, er werde die Architektenleistungen einschließlich der Bauaufsicht gratis übernehmen. Mehrere BbBb waren bereit, vierstellige Beträge zu spenden. Die Aktiven verpflichteten sich, jeweils mindestens 40 Arbeitsstunden beim Ausbau des Hauses zu leisten.

Der Cumulativconvent beschloss dann einstimmig einen Hausbauverein zu gründen, das Anwesen Mittlerer Lech 13 zu erwerben und in ein Studentenheim umzubauen. Nach Diskussion des Finanzierungsplans wurde der Hausbauvereinsbeitrag für die 170 A-Philister auf DM 100.- festgesetzt, die vorbereitete Satzung des neuen Vereins angenommen und dessen Vorstandschaft gewählt. 1. Vorsitzender wurde erwartungsgemäß Bb Amtsgerichtspräsident Dr. Thomas Schmidtner, Stellvertreter (2. Vors.) Bb Msgr. Siegfried Schindele, Verwaltungsführer Bb Rechtsanwalt Karl Günzel, Schatzmeister 1311 Reinhold Wenninger, Kommunalreferent der Stadt Augsburg, und Technischer Beirat Bb Architekt Alfred Schwendtner.

Bb Dr. Thomas Schmidtner, der sich mit der ganzen Überzeugungskraft seiner Persönlichkeit für den Hauserwerb eingesetzt hatte, gestand später 1986 in der Einweihungsfestschrift (S. 18): „Die Zustimmung der Ludoviker zu ihrem neuen Haus war für mich das überwältigendste Erlebnis, das ich in meiner nunmehr 37 jährigen Verbindungszugehörigkeit hatte. Einen überzeugenderen Beweis für die Lebenskraft unserer Verbindung hat es meines Erachtens bisher nicht gegeben.“

Wie die Entwicklung dann rasch voran ging, hat er in seinem Beitrag „Wie Ludovicia zu einem eigenen Haus kam“ in der Festschrift dargestellt. Dem folgend, sei der Weg hier leicht gekürzt und verändert skizziert: Am 16.08.1984 wurde der Hausbauverein „Studentenheim Ludovicia e. V.“ in das Vereinsregister des Amtsgerichts Augsburg eingetragen. Damit erhielt er Rechtsfähigkeit mit der Folge, dass für keinen Ludoviker eine persönliche Haftung entstehen kann. Am 17.08.1984 erfolgte die Beurkundung des Kaufvertrages zum Kaufpreis von 160.000 DM. Mit Bescheid des Finanzamtes Augsburg-Stadt vorn 28.08.1984 wurde der Verein als gemeinnützig anerkannt. Nach Bezahlung des Kaufpreises gingen Nutzen und Lasten des Anwesens am 01.10.1984 auf ihn über. Am 23.11.1984 erfolgte die Eigentumsumschreibung im Grundbuch. Am 25.04.1985 wurde schließlich die Baugenehmigung erteilt.

Nachdem die Mieter das Haus geräumt hatten, konnte im September 1985 mit den Umbauarbeiten begonnen werden. Den Anfang machten die Aktiven, die verschiedene Aufräumungsarbeiten verrichteten, alte Fußböden herausrissen, den Boden des Erdgeschosses aushoben und einen alten Kamin vorn Erdgeschoß bis über die „schwindelnden Höhen“ des Dachgeschosses hinaus abtrugen. Die Hoffnung, dass in der alten Münze noch irgendwo ein Schatz verborgen sein könnte, erfüllte sich leider nicht. Ab Mitte September nahm dann die Baufirma, Ing. Josef Hanwalter, ihre Tätigkeit auf, Seit Mai 1986 führten die Aktiven, angefangen vom Fuchs bis zum Senior, unterstützt von einem All, der sonst das städtische Rechtsamt leitete, an den Wochenenden wieder Eigenleistungen aus, indem sie Tapezierarbeiten erledigten. So wurde innerhalb eines Zeitraums von 10 Monaten das alte Anwesen von Grund auf saniert und den heutigen Wohnverhältnissen angepasst.

Bb Dr. Schmidtner dankte an dieser Stelle besonders den Bundesbrüdern, die an der zügigen Durchführung der Bauarbeiten beteiligt waren. An erster Stelle war dies der Architekt, Bb Alfred Schwendtner, der hier auch seine reichen Erfahrungen einbrachte, die er als Erbauer des Studentenwohnheims des BLLV in der Lehärstraße gesammelt hatte. Ebenso galt der Dank auch Bb Robert Pfand, der sich, als Heimatpfleger und Ludoviker in gleicher Weise engagiert, an der Planung des Erdgeschosses beteiligte. Mit seiner Idee, dort auch ein Bierstüberl einzubauen, hat er sich selbst ein Denkmal gesetzt. Dank auch an Ludovicias jungen Architekten, Bb Christian Stachulla, der nicht nur die Eigenleistungen der Aktivitas koordinierte, sondern auch selbst kräftig Hand anlegte. Gedankt wurde auch Herrn Dr. Ing. Helmut Bruckner, der die Statik kostenlos erstellte.

Trotz dieser beachtlichen Gratisleistungen beliefen sich die gesamten Um- und Ausbaukosten auf über 500.000 DM. Dazu kamen Grundstücks- und Grundstückserwerbskosten in Höhe von 164.000 DM. Da stellte sich unwillkürlich die Frage, wie ein solches Vorhaben von einer Studentenverbindung mit knapp 200 im Beruf stehenden Mitgliedern zu einem glücklichen Ende geführt werden konnte. Hier die Antwort: Zuvörderst war es die Solidarität sämtlicher Bundesbrüder, die das Ludovikerhaus zu ihrem eigenen Anliegen machten. Sie legten bis 1986 in die Kasse des Hausbauvereins nach und nach den stolzen Betrag von ca. 140.000 DM ein.

Viel wohlwollende Förderung wurde Ludovicias Hausbau auch von öffentlichen Institutionen zuteil. So stellte die Diözese den stattlichen Betrag von 10.000 DM zur Verfügung. Von der Stadt Augsburg flossen namhafte Zuschüsse, nämlich 52.000 DM nach dem Bayer. Modernisierungsprogramm und 80.000 DM aus Städtebauförderungsmitteln. Darüber hinaus wurde von der Stadt ein zinsloses Darlehen in Höhe von 100.000 DM bewilligt. Hierfür dankte Ludovicia dem Hochwürdigsten Herrn Generalvikar und den verantwortlichen Herren der Stadt Augsburg. Für die Finanzierung des Restbetrages hat der seinerzeitige Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Augsburg und heutige Vorstand der Bayerischen Landesbank, Bb Dr. Peter Kahn, in besonderer Weise gesorgt, Er stellte für das gemeinnützige Vorhaben einen Kredit zu günstigen Bedingungen zur Verfügung. Ebenso unterstützte der KV das Vorhaben mit einem zinsgünstigen Darlehen.

Anlässlich des 87. Stiftungsfestes konnte am 13. Juni 1986, zwei Jahre nach der denkwürdigen Entscheidung, die offizielle Einweihung des „Hauses Ludovicia“ vorgenommen werden. Sie wurde zu einem richtigen Familienfest für junge und alte Ludoviker. Die kirchliche Weihe spendeten dem neuen Domizil die BbBb Dr. Florian Schuller, Augsburgs Studentenpfarrer und der hochbetagte Pater Plazidus Kropf OSB von St. Stephan.

Bei der Einweihungsfeier dankte Bb Schmidtner besonders dem Architekten, Rh Alfred Schwendtner für das höchst gelungene Werk, an dem auch dessen Ehefrau gehörigen Anteil hatte. In Anlehnung an Schillers „Glocke“ sagte er, hier solle das Werk selbst den Meister loben. Das anschließende Sommerfest wurde dank des Engagements fleißiger Damen unter der Leitung von Frau Rita Schmidtner zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Die Augsburger Presse würdigte das Ereignis mit ausführlicher Berichterstattung und eingängigen Schlagzeilen: „Haus Ludovicia bringt Jugend ins Lechviertel“ (Augsburger Allgemeine) oder „Riesen-Ansturm! Gerichts-Präsident als Wohnungsmakler/Aber Frauen bleiben ausgesperrt!“ (Neue Presse).

Der federführende Architekt, BI) Alfred Schwendtner, wurde für seinen nimmermüden Einsatz - der bis heute anhält - von Ludovicia zum gleichen Zeitpunkt zum Ehrenmitglied ernannt. Die Ehrenurkunde, die den großen Saal des Hauses ziert, hat folgenden Wortlaut: „Die Katholische Studentenverbindung Ludovicia ernennt aus Anlass. der Eröffnung ihres Studentenheims ihr Mitglied Architekt Alfred Schwendtner zu ihrem Ehrenmitglied. Sie würdigt damit den enormen Einsatz unseres Bundesbruders bei der Planung, Sanierung und Umgestaltung des Anwesens Mittlerer Lech Nr. 13 zu einem Verbindungs- und Studentenheim. Sein unermüdliches Engagement hat entscheidend dazu beigetragen, dass der Ludovicia in verhältnismäßig kurzer Bauzeit eine neue Heimstatt gegeben werden konnte.“

Die Hoffnungen, die schon bei der Diskussion um die grundsätzliche Entscheidung für ein eigenes Heim geäußert und bei der Eröffnung vielfach wiederholt wurden, haben sich in der Folgezeit erfüllt. Es ist zu einem Zentrum des Verbindungslebens geworden, wovon im nächsten Kapitel noch zu berichten sein wird.

Nachdem das Verbindungshaus fertig und bezogen war, wurde mit erheblichem finanziellem Aufwand der gesamte Hinterhof neu gestaltet. Ein unterkellertes Nebengebäude (das Haus selbst verfügt über keinen Keller) mit einem überdachten Freisitz wurde errichtet und der Hof mit einem neuen Pflasterbelag ausgestattet.

Am Fronleichnamstag 1992 wurde das „Ludovica-Höfle“ vom „Hausherrn“ Bb Dr. Thomas Schmidtner nach Art einer Schiffstaufe offiziell in Besitz genommen. Unter den vielen Gästen, die der Zeremonie - die wie viele echte Schiffstaufen ebenfalls nicht auf Anhieb gelang - Beifall spendeten, waren auch Ehrenmitglied Oberbürgermeister Dr. Peter Menacher mit Ehefrau Inge, geb. Ehegartner, die Ludovicia seit früher Jugend verbunden ist. Gedankt wurde dem seinerzeitigen Projektleiter der Stadtsanierung, ltd. Baudirektor Kb Reinhard Sajons (Rheno-Palatia-Freiburg), der die Baumaßnahme tatkräftig unterstützt hatte. Bb Christian Stachulla hatte zeitgerecht auf seine Kosten eine Steintafel mit Namen und Zirkel der Verbindung fertigen lassen und eigenhändig in die Südwand des Hauses eingemauert, sowie einen Fahnenhalter für die Verbindungsfahne an der Straßenseite anbringen lassen.

Seit dem 24. Januar 1996 amtiert der damalige Leiter des Tiefbauamtes und jetzige Baureferent der Stadt Augsburg, Bb Dr. Karl Demharter, als Vorsitzender des Vereins „Studentenheim Ludovicia e. V“. Er engagiert sich wie sein Vorgänger für den Erhalt des Gebäudes und wird dabei von Bb Alfred Schwendtner tatkräftig unterstützt. Infolge der intensiven Nutzung des Hauses bei den Programmveranstaltungen, bei manchen Highlights des Verbindungslebens, wie etwa der Nikolaus-Kneipe, reichen die 60 Sitzplätze im Veranstaltungsraum bei weitem nicht aus, und durch die Mieter aller 10 Studentenbuden, sind fortlaufend entsprechende Maßnahmen zum Bauunterhalt des denkmalgeschützten Anwesens unerlässlich. Dank der ungebrochenen Spendenbereitschaft von Mitgliedern und Gönnern sowie der Mieteinnahmen, konnten sie bis jetzt ebenso durchgeführt werden wie die schrittweise Tilgung der noch bestehenden Darlehensbelastungen.

Geschichte des Kartellverbands

religio, amicitia, scientia

Mit Gott für deutsche Ehre!

» 1841 In der Schweiz wird die erste katholische Verbindung gegründet. Sie heißt Helvetia.

» 1844 In Deutschland wird die erste katholische Verbindung gegründet. Sie heißt Bavaria- Bonn. Ihre Prinzipien sind Tugend, Wissenschaft und Freundschaft. Dem Beispiel der Bavaria zu Bonn folgten fünf weitere katholische Verbindungen in Bonn. Sie bilden 1854 eine Union.

» 1848 Revolution / Vereinsfreiheit

» 1853 (allgemein auch als Ursprungsjahr des KV gesehen) Der Berliner St. Vinzenz Verein gründet den katholisch, wissenschaftlichen Verein „Kath. Leseverein“. Dieser Kreis von kath. Intellektuellen und kath. Studenten an der Berliner Universität, der sich an wissenschaftlichen Vorträgen und kath. Zeitschriften weiterbilden und wohltätigen Zwecken dienen will, ist noch kein Studentenverein. Der Vater des Kreises ist Friedrich von Kehler, ein Konvertit.

» 1862 Der kath. Leseverein, aus dem später Askania-Berlin hervorgeht, und der heute Askania-Burgundia-Berlin heißt, wird ein reiner Studentenverein, der nichtfarbendtragend bleibt. Die Trennung der Studenten von den Altakademikern ist das Werk Georg Freiherr von Hertling' s, der das Amt des Vereinsordners (heute Senior) bekleidet.

» 1863 Von Hertling, der gleichzeitig das Amt des Ordners der 1851 gegründeten, farbentragenden Aenania (die seit dem 6.12.1856 in einem Korrespondenzverhältnis zu Winfridia-Breslau steht, welches als der Ursprung des katholischen Korporationsverbandwesens, auch des CV's zu sehen ist) inne hat, legt als 20jähriger in Frankfurt/Main auf der 15. Generalversammlung der kath. Vereine Deutschlands die Prinzipien der neuen studentischen Zusammenschlüsse dar. Er betont die Verpflichtung der Studenten, die Religion zur Grundlage ihrer Existenz zu machen, um gegen das Duell anzukämpfen, am religiös wissenschaftlichen Kampf der Gegenwart teilzunehmen, und um Freundschaft und Geselligkeit zu pflegen. Die Rede Hertlings ist das auslösende Moment zur Gründung neuer kath. Korporationen.

» 1864 Die kath. Korporationen (vier farbentragende, eine in München, Breslau, Tübingen, Innsbruck) und fünf nichtfarbentragende Verbindungen ( Askania-Berlin, Arminia-Bonn, Unitas-Breslau, Germania-Münster und Walhalla-Würzburg) schließen sich unter der Leitung von v. Hertling zum Würzburger Bund zusammen.

» 1865 Der Würzburger Bund bricht

» 1866 Im Januar 1866 bilden die nichtfarbentragenden Verbindungen den KV (Berlin, Bonn, Breslau, Münster und Würzburg) und die farbentragenden den CV. Die Geschäftsführung des KV' s übernimmt als Vorort der Berliner Leseverein.

» 1867 Der Münchner Verein Ottonia tritt dem KV bei.

» 1868 Auf einer Generalversammlung in Münster beschließt der KV neue Statuten. „§ 1: Der Verband besteht aus deutschen katholischen Studentenvereinen, die sich aufgrund der drei Prinzipien Religion (religio), Wissenschaft (scientia) und studentische Geselligkeit (später Freundschaft (amicitia)) konstituiert haben.“

» 1869 Beitritt von Laetitia-Karlsruhe, es folgen 1871:Winfridia-Göttingen

» 1872 Alemania-Tübingen, 1876: Normania-Würzburg usw. Der KV steht in dieser Zeit unter seiner ersten Belastungsprobe. Es entzündet sich der Streit über die Frage, ob die Beschlüsse über die Unfehlbarkeit des Papstes akzeptiert werden können. Die Mehrheit spricht sich dafür aus. Der Kulturkampf, der den einzelnen Vereinen das Überleben schwer macht, setzt dem Verband zu. Dennoch entstehen jährlich neue Vereine. Durch die Schikanen, wie Freiheitsberaubung, welche die katholischen Studenten erdulden müssen, schließen sie sich enger zusammen und betonen sogar noch die katholisch konfessionellen Grundlagen. Der Kulturkampf wird im Sinne des Goethe Wortes von „der Kraft, die zwar das Böse will, jedoch das Gute schafft“ ein Gewinn für die katholischen Verbindungen.

» 1875 Januar: Herausgabe des „Deutschen Kommersbuches“ (Verlag Herder, Freiburg) durch Arminia-Bonn unter Leitung von stud. phil. August Körfgen.

» 1876 Gründung des 1. Philistervereins seitens der Ottonia.

» 1888 Erstmaliges Erscheinen der Verbandszeitschrift „Akademische Monatsblätter“, geleitet von Dr. phil. Oscar Wilpert, Groß-Strehlitz, am 25. November.

» 1898 Annahme des ersten KV-Bundesliedes (auf der 31. GV zu Greifswald), gedichtet und komponiert von Julius Pohl, Domherr an der Fraunsburger Kathedrale.

» 1904 Es entsteht ein erneuter Hetzkampf, um den katholischen Korporationen endgültig die Lebensgrundlage an den Hochschulen zu entziehen. Die schlagenden Verbindungen behaupten, dass katholische Verbindungen der akademischen Freiheit widersprächen. Anfangs hatten sie mit diesen Methoden bei den Behörden in Jena und Hannover Erfolg. Nachdem jedoch eine Aachener Behörde dem entgegentritt und das Gegenteil für richtig erklärt, geben die schlagenden Verbindungen die Angelegenheit an das Abgeordnetenhaus weiter. Dort macht der Kulturminister dem Hetzkampf ein Ende, indem er die katholischen Korporationen im Rahmen der akademischen Freiheit erlaubt. Ab 1907 besteht der KV unangefochten neben den anderen Korporationen.

» 1909 Der KV gibt sich ein richtiges Verbandswappen.

» 1914 Am Vorabend des ersten Weltkrieges zählt der KV 50 Vereine.

» 1917 Dr. phil. Georg Graf von Hertling (seit 1914 „Graf“) wird Reichskanzler.

» 1919 Nach dem ersten Weltkrieg erfährt der KV eine große Blüte. Bedeutende Personen der Weimarer Republik sind KVer, u.a. Dr. theol. h.c. Wilhelm Marx, der von 1923-25 und von 1926-28 Reichskanzler war.

» 1920 Der süddeutsche KV (SKV) tritt dem Verband bei.

» 1921 Der KV wählt den Wahlspruch „Mit Gott für deutsche Ehre“.

» 1930 Der Verband zählt 106 Vereine.

» 1933 Am 8.7.1933 wird von dem Führer der Deutschen Studentenschaft allen Korporationen das Führerprinzip befohlen. Der Vorortspräsident verordnet daraufhin dem Verband das Führerprinzip und wird Korporationsführer. Er hofft dadurch den KV retten zu können. Eine Reihe von Korporationen und Alten Herren leisten Widerstand gegen die Zugeständnisse an die Nationalsozialisten. Einige bezahlten ihre Ablehnung mit dem Leben. Am 5.11.1933 schließen sich der KV und der Ring Katholischer Deutscher Burschenschaften (RKDB) zusammen.

» 1934 Am 31.1.1934 wird „unter dem Druck der Studentenführung“ das Konfessionsprinzip aufgegeben. Darauf treten die meisten Burschenschaften des RKDB wieder aus.

» 1935 Am 20.11.1935 löst sich der KV auf.

» 1938 Am 26.07.1938 werden die bestehengebliebenen Altherrenschaften staatspolizeilich aufgelöst. Viele Altherrenverbände bestehen unter der Hand weiter.

» 1945 Wiederaufbau des KVs.

» 1946 Die ersten aktiven Studentenvereine werden neu begründet.

» 1947 In Bochum findet der erste Altherrentag statt.

» 1949 Am 2.6.1949 wird der KV in Würzburg offiziell wiederbegründet. Arminia-Bonn wird erster Nachkriegsvorort. Der Verband zählt 56 Korporationen. Der KVer Dr. h.c. Konrad Adenauer wird Bundeskanzler (1949-63).

» 1950 Die Vertreterversammlung (damals Generalversammlung) bekennt sich zu den Prinzipien religio, scientia und amicitia. In den 60' er Jahren arbeitet der KV an einem neuen Konzept, das nach wie vor auf den drei Prinzipien beruht, aber die Mitbestimmung der studentischen Mitglieder stärker betont.

» 1966 Der KVer Dr. jur. h.c. Kurt Georg Kiesinger wird Bundeskanzler (1966-69)

» 1971 Die Aufnahme von Nichtkatholiken wird in begründeter Ausnahme zulässig. Diesem Zugeständnis ging eine heftige Diskussion voraus, die den KV auf eine erneute Belastungsprobe stellte.

» 1983 Die VV in Mainz beschließt einstimmig, dass ein „eingetragener Verein KV-Akademie“ gegründet werden soll. Am 17. September findet die Gründungsversammlung der „KV-Akademie e.V.“ statt.

» 2005 Am 19. April 2005 wird unser KB Prof. Dr. Joseph Ratzinger zum 265. Papst in der Geschichte der römisch-katholischen Kirche gewählt.

Papst Benedikt XVI. ist A – Philister des K.St.V Liechtenstein Hohenheim (inzwischen: zu Erfurt) und EM des K.St.V. Isaria Freising und der K.S.St.V. Alemannia München.

Die Prinzipien des KV

Der KV gestaltet sein Verbands- und Vereinsleben nach den Prinzipien Religion - Wissenschaft - Freundschaft. Diese im christlichen Glauben wurzelnden Prinzipien stehen im engen Zusammenhang zueinander und sollen in der Gemeinschaft gelebt werden.

Das Prinzip Religion

Es bedarf wohl zunächst einer Rechtfertigung, wenn eine Studentenverbindung den Glauben zu einem - sogar ihrem ersten - Prinzip macht und ihn damit zu einer gesellschaftlichen Größe erhebt, indem sie zu entsprechenden Veranstaltungen zum Teil verpflichtend einlädt. Muss man das nicht - so eine heute weit verbreitete Ansicht - jedem selbst überlassen? Gerade weil aber die Religion im tiefsten Inneren einer Person verwurzelt ist, kann das gemeinsame Bekenntnis und die gemeinsame Verehrung Gottes in den Gottesdiensten des Verbindungslebens eine Verbundenheit wecken, die über die Aspekte des Angenehmen (Freundschaft) und des Nützlichen (Wissenschaft) hinausgehen. Die Verwirklichung des Prinzips Religion in sozialer Dimension heißt nicht, einen Brückenkopf des Vatikan zu bilden. Aber wie jeder einzelne Christ versucht, seinen Glauben zu leben, so ist es auch angebracht, dass die Studentenverbindung als eine zwar nicht religiöse Gemeinschaft, aber doch als Gemeinschaft religiös Gleichgesinnter es unternimmt, ihrem Glauben gesellschaftlich und sogar zuweilen öffentlich (Chargierte auf der Fronleichnamsprozession, beim Requiem für Bundesbrüder) Ausdruck zu verleihen. Zeichen zu setzen, ist insofern auch die Absicht des Prinzips, als die Religion ihrem Inhalt nach zu vielen gesellschaftlich und politisch relevanten Fragen etwas zu sagen hat und auf diesem Weg zur Meinungsbildung beitragen kann. Vielen Veranstaltungen des Verbindungslebens liegt eine wesentlich internere Auffassung vom Sinn des Prinzips Religion zugrunde. Die Wallfahrten und theologischen Vorträge sollen eher dazu dienen, den persönlichen Glauben als einen wichtigen Teil jedes Menschen zu finden, zu vertiefen, auszugestalten oder einfach zu leben. Hier ist natürlich auch jeder einzeln aufgerufen, sich selbst einzubringen.

Das Prinzip Wissenschaft

Der deutsche Begriff „Wissenschaft“ geht auf das lateinische „scientia“ zurück und bedeutet ursprünglich „gründliches Verstehen, Einsicht, Geschicklichkeit“ in sachliche Zusammenhänge, dann auch „geistiges ethisches Wissen“ im Sinne von „Weisheit“ (sophia, sapientia). In der Bibel kommt der „Weisheit“ als der Sachkunde im Handwerk, in der Wirtschaft und Kunst Bedeutung zu, doch gebunden wird alles Wissen letztlich an seinen Urgrund, an Gott: „Der Anfang der Weisheit/Wissenschaft ist die Ehrfurcht vor dem Herrn“ (Ps 111,10). Er macht den Menschen durch den Geist wissend und weise. Im neuen Testament stellt Paulus der menschlichen Wissenschaft Christus den Gekreuzigten als „Gottes Kraft und Weisheit„ (1 Kor 1,24) gegenüber. So kommt eine neue Form von „Wissenschaft“ in die Welt, der vom Heiligen Geist getragene Glaube an Jesus Christus als Einsicht in die „Wahrheit“, den letzten Sinn menschlichen Daseins und universaler Geschichte. Aus ihr folgt als neue Praxis die „agape“, die Liebe zu Gott und den Mitmenschen, und die „eucharistia“, der Lobpreis im Gottesdienst. Die Geschichte des christlichen Abendlandes überliefert einen Wissenschaftsbegriff, in dem griechische Philosophie und Naturwissenschaft mit Theologie und Glaube eine spannungsvolle Einheit darstellen, in die Neuzeit. „Wissenschaft“ als Prinzip der katholischen Studentenverbindungen steht in diesem Zusammenhang. In der Neuzeit verselbständigt sich die „Wissenschaft“ aus dem universalen Zusammenhang im Rahmen der „Einzelwissenschaften“ - in der Zweiteilung der Geistes- und der Naturwissenschaften - zu einem methodischen Konstruktionsprozess, durch den man Erfahrungen (Experiment, Empirie) macht, die Ergebnisse zusammenfasst (Theorie) und für die Gesellschaft verwertet (Technik). Unsere Zeit ist gekennzeichnet durch den Siegeszug der empirischen Wissenschaften, die in ungeahnter Weise die Erde und das menschliche Leben verändert haben. Dabei ist der ursprüngliche Fortschrittsoptimismus nach den negativen Erfahrungen mit den Folgeerscheinungen wissenschaftlicher Ergebnisse Atomkraft, Chemie, Gentechnologie, Straßenverkehr, Verelendung und neue Armut usw. gebremst worden. Es zeigt sich, dass ohne eine philosophisch und theologisch begründete Ethik (Weisheit), die zur Verantwortung und Selbstbegrenzung anleitet, die Wissenschaften zur Zerstörung des Lebens mit unabsehbaren Konsequenzen für die kommenden Generationen führen kann. Hier kommt das traditionelle Prinzip „Wissenschaft“ zu neuer Bedeutung. Es weist auch den oben beschriebenen Zusammenhang mit der „Weisheit“ im christlichen Verständnis hin. Es bedeutet für alle in den katholischen Verbindungen aktiven Christen die Aufforderung, sich zu Wortführern einer neuen, ethischen verantworteten und von hochaktuellen Werten des Christentums inspirierten Wissenschaftsforschung und -anwendung zu machen. Die Verbindungen haben die besondere Chance, im interdisziplinären und alle Berufe und Altersgruppen einschließenden Gespräch Vorreiterpositionen zu erarbeiten und einzunehmen.

Das Prinzip Freundschaft

Wenn Religion die Grundlage unseres Lebens und Wissenschaft das Ziel unseres Studierens ist, so ist das Prinzip Freundschaft die Basis unseres Zusammenlebens. Dies bedeutet zunächst, dass wir einen Umgang miteinander erstreben, der von Verständnis, Hilfsbereitschaft und Engagement geprägt ist. Verständnis bedeutet, sich auf einen Bundesbruder einzulassen, ihn als Person mit allen Eigenheiten, mit Stärken, Schwächen, Vorzügen und Fehlern anzunehmen und seine Probleme und Wünsche ernst zu nehmen. Hilfsbereitschaft wird besonders dann wichtig, wenn ein Bundesbruder in Schwierigkeiten finanzieller, studienmäßiger oder menschlicher Art gerät. Gerade in diesen Lebenslagen wollen wir unseren Bundesbrüdern beistehen und an Problemlösungen durch Rat und Tat mitwirken. Engagement ist der Gegensatz von Konsummentalität und Desinteresse. Wir wollen aktiv an der gemeinsamen Gestaltung unseres Zusammenlebens teilnehmen. Dies geschieht in sehr unterschiedlicher Weise durch Verbindungsfeiern, Zusammenkünfte oder aber gemeinsamen Sport.